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KOLJA RAIC KOHNEN

 

Die Kunst Kolja Raic Kohnens entstand im Verborgenen. Als Spiegel stärkster Seelenzustände entlud sie sich explosionsartig, allerdings nicht in großer Geste auf riesiger Leinwand, sondern unauffällig in Form digitaler Grafiken am Computerbildschirm. Jenseits des Nadelöhrs der Rechneroberfläche schuf der technisch versierte Bochumer Physik-Student Kohnen – von seiner Umwelt unbemerkt – eine hochexpressive, surreale Welt. Unheimliche Augenwesen, groteske Vogelgestalten und bedrohliche Schatten vor apokalyptischen Farbgründen bevölkern diesen digitalen Kosmos, drängen sich uns mal entgegen, um dann wieder unserem Blick zu entfliehen. Eine übervolle Welt von Empfindungen und Gesichten, von verzerrten Formen und Textfragmenten stürzt auf den Betrachter zu. Dazwischen finden aber auch immer wieder abstrakte Muster, zarte Federstrukturen und stimmungsvoll getünchte Landschaftsaufnahmen einen Platz. Lakonische Einwürfe im Comic-Stil offenbaren ein geistreiches, humorvolles Wesen.

 

Bereits seit der Jugend an einer Bipolaren Störung leidend, fand Kohnen in der Malerei am Computer einen Weg, den heftigen Schwankungen zwischen Depression und Manie zumindest kurzfristig Herr zu werden. Erst nach seinem krankheitsbedingten Suizid 2012 entdeckten die Eltern die Werke ihres Sohnes auf dem Rechner.

 

Kohnens Bilder gewähren eindrucksvolle Einblicke in die nach außen nur schwer vermittelbaren Gemütszustände eines psychisch Erkrankten. Ungeachtet dessen jedoch, dass sich in Kohnens Bildwelt regelmäßig psychopathologisch assoziierte Gestaltungsmittel aufzeigen lassen, darf man weder den gestalterischen Impuls noch die Ausdrucksabsicht ausschließlich der manisch-depressiven Erkrankung zuschreiben. Viele Bilder verdanken ihre Ausdrucksqualität nicht oder nur sehr mittelbar der psychiatrischen Extremlage, sondern belegen in ihrer ästhetischen Qualität eine auch autonom vorliegende künstlerische Begabung. Das sich solcherart zwischen den beiden Polen manischer Entäußerung und reflektierter Gestaltung etablierende Werk Kohnens fordert den Betrachter immer wieder auf, die verschiedenen Ebenen der Realitätserfahrung, der Empfindung, des Erlebens und der Vision in dieser surrealen Welt neu zu relationieren.

 

Die schwerste Hypothek bei der Bewältigung seiner Krankheit ist für den Manisch-Depressiven die erkrankungsbedingt zeitweise eingeschränkte Fähigkeit zur Einschätzung von Situation und Selbst und auch das schmerzhafte Gewahrwerden dieses existenziellen Verlustes in Phasen relativer Gesundheit. In der künstlerischen Manifestation gelingt dem Künstler temporär die Lösung einer paradoxen und dilemmatischen Aufgabe, nämlich ein wirklichkeitsfremdes und widersprüchliches Gefühlsleben in eine objektivierbare Realität zu transformieren. Das Bild macht Widersprüche greifbar und wird temporär zum Anker. Bipolare Störungen sind schwere, mitunter lebensbedrohliche Erkrankungen und bedürfen medizinischer Behandlung. Dass sie auch eine Quelle von Kunst sind, mag uns befremden. Diese ästhetisch zu genießen, verharmlost nicht die Krankheit, sondern würdigt auch den kranken Menschen als ganzen Menschen.

 

 

 

Die verwaisten Eltern

Dagmar Rohde-Kohnen

Heinz Kohnen

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Kolja Raic Kohnen | heinz@kohnen.org / 01755823633

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